Chapter 12: Der Preis des Krieges
Mark trug die Kisten zurück in die Wohnung und ließ sie im Flur so hart fallen, dass der Klang durch Marmor und Glas hallte.
Die Wohnung antwortete wie eine leere Bühnenkulisse.
So sah sie jetzt aus.
Nicht Luxus. Nicht Sieg. Eine Kulisse. Hohe Decken. Bodentiefe Fenster. Die Stadt darunter ausgebreitet wie ein Versprechen, das bereits widerrufen war. Vor einer Woche hätte er es Freiheit genannt. Heute Abend sah es gemietet aus, teuer und vorübergehend.
Sophia trat aus dem Schlafzimmer, in einem seiner Hemden, und hielt ein Paar Diamantohrringe ins Licht.
Sie sah zuerst die Kisten an.
Dann sein Gesicht.
„Was ist das?“, fragte sie.
„Alte Akten.“
Er ging an ihr vorbei in die Küche, goss sich ein Glas Wasser ein und verschüttete etwas über den Rand, weil seine Hand nicht ruhig werden wollte. Er trank trotzdem.
Sophia legte die Ohrringe hin.
„Die Innenarchitektin hat angerufen“, sagte sie. „Sie will die zweite Anzahlung für die Sondermöbel.“
Mark blieb mit dem Rücken zu ihr stehen.
„Ich habe die Karte noch mal versucht“, fügte sie hinzu. „Sie wurde abgelehnt.“
Eine Sekunde lang erwog er, besser zu lügen.
Dann begriff er, dass ihm die guten Lügen bereits ausgegangen waren.
„Die Bank klärt gerade eine rechtliche Sache“, sagte er. „Das ist vorübergehend.“
Schweigen.
Ihr Schweigen hatte sich verändert. Es klang nicht mehr vertrauensvoll. Es klang abwägend. Das war schlimmer. Sophia verstand von Geld zu viel, um Zusammenbruch mit Verzögerung zu verwechseln.
„Wann ist es behoben?“, fragte sie.
„Bald.“
„Wie bald?“
„In ein paar Tagen.“
„Die Innenarchitektin wartet keine paar Tage.“
„Dann sag sie ab“, fuhr er sie an.
Die Worte knallten durch die Küche.
Sophia zuckte einmal zusammen. Nicht aus Angst. Aus Erkenntnis.
In zwei Jahren hatte er nie so mit ihr gesprochen. Er war immer gefasst geblieben. Geschmeidig. Großzügig. Der ältere Mann mit Antworten, Zugängen und Lösungen. Der Mann, der Dinge möglich machte.
Jetzt sah sie jemand anderen.
„Mach das nicht noch mal“, sagte sie leise.
Dann nahm sie die Ohrringe und ging zurück Richtung Schlafzimmer. Die Tür schloss sich sanft hinter ihr. Dieses leise Klicken fühlte sich gefährlicher an als ein Knall.
Mark umklammerte die Arbeitsplatte, bis seine Finger schmerzten.
Er holte sein Telefon heraus.
Prüfte das eine Konto, das noch lebte.
Etwas über viertausend Dollar.
Er starrte auf die Zahl.
Miete für die Wohnung. Geralds sofort fällige Vorschussforderung. Nebenkosten. Verpflichtungen gegenüber Lieferanten. Der Schaden an der Bonität. Die ganze hässliche Kette, die sich hinter dem sichtbaren Leben verbarg.
Die Fenster der Wohnung rahmten keine Skyline mehr.
Sie rahmten eine Rechnung.
Dann fiel ihm Vanguard ein.
Morgen. Endgültige Unterzeichnung. Eine halbe Million als Vorauszahlung. Frische Einnahmen. Neues Geld. Luft. Wenn Vanguard zustande kam, konnte er atmen. Konnte Zeit kaufen. Konnte die Wände lange genug halten, um zu kämpfen.
Zum ersten Mal an diesem Tag bewegte sich so etwas wie Hoffnung durch ihn.
Dünn. Gefährlich. Notwendig.
Er griff nach den Schlüsseln.
Erklärte Sophia nichts.
Als der Aufzug die Lobby erreichte, war nur noch ein Gedanke in seinem Kopf.
Er konnte die Firma noch retten.
Er konnte sich noch retten.
Er hatte keine Ahnung, dass ich bereits ebenfalls vor dieser Tür stand.